glücklich Single sein?

Momentan habe ich wieder ziemlich mit mir zu kämpfen. Die Selbstzweifel und der Selbsthass sind wieder da. Ziemlich heftig sogar. Das nervt mich sehr, denn ich dachte mit dem neuen Medikament (Sertralin, 50mg), würde es besser werden. Als ich dann letzte Woche bei meinem Psychiater war, erzählte ich ihm, wie es mir ging und er verschrieb mir dann 100mg. Wie schon gesagt, ist das bei mir immer ein ziemliches Austesten, was ich wie vertrage und ob ich damit klarkomme. Abgesehen von den Kopfschmerzen die ich sowieso immer habe und ab und an Übelkeit, geht es mir doch recht gut. Noch schlagen die Medikamente aber nicht so an und ich befinde mich immer noch in meinem Loch.

Durch diese ganzen Selbstzweifel kommen auch all die elendigen und schon hundert Mal durchgekauten Fragen hoch. Sehr präsent ist momentan wieder mein „alleine sein“. Meine Freundin hat jetzt endlich wieder einen Freund und ich freue mich sehr für sie! Gleichzeitig versetzt es mir aber auch einen Stich, denn es zeigt mir, dass ich mal wieder keine Beziehung auf die Kette bekomme. Ja ich weiß, ich bin erst 21 und mir bleibt ja noch soooo viel Zeit. Nur besteht das zweite Problem darin, dass ich mich einfach nicht wie 21 fühle, sondern eher wie 25. Das bekomme ich auch häufig von Bekannten zu hören, dass ich definitiv älter wirke und mich auch so verhalte. Deswegen wäre ich vom Gefühl bereit für Hochzeit, Kinder und Hausbau.

Meine Therapeutin hat mich damals gefragt, was eigentlich so schlimm daran wäre, wenn ich niemanden finde. Sie erzählte mir von einer ihrer Patientinnen, einer älteren Dame. Die ist auch schon ihr Leben lang alleine und hat sich ihr Leben nach ihren Wünschen schön gemacht. Eine schöne Wohnung, geht häufig auf Reisen und genießt einfach ihr Leben. Als sie mich das so fragte, kam ich schon sehr ins Grübeln und merkte, wie sehr ich mich doch in das Thema reinsteigere. „Je zwanghafter Sie suchen, umso weniger werden Sie jemanden finden!“ Ich nickte, dachte innerlich aber etwas anders.

Natürlich sagt einem jeder, dass man nicht zwanghaft suchen soll und wenn man nicht damit rechnet, dann findet man seinen Traumprinzen. Blablablabla! Klar, das mag durchaus stimmen, aber wie genau soll mir das in meiner jetzigen Situation helfen? Es bewirkt eher das Gegenteil. Es versetzt mich irgendwie in Panik. Am liebsten würde ich schreiend im Kreis rennen und rufen „ich finde nie einen!“.

Wenn ich das jetzt gerade so schreibe, komme ich mir schon wieder so dumm vor und merke das ich mich da reinsteigere. Das nervt mich! Merkt ihr? Es ist wie ein Kreislauf. Denke ich darüber nach, geht es mir schlecht und das versetzt mich in Panik. Geht es mir jedoch schlecht, fange ich an zu grübeln und komme automatisch wieder zu dem Punkt „alleine sein“.

Ich habe letztens einen wundervollen Artikel von der lieben Gina gelesen. Dieser Artikel spricht mir teilweise echt aus der Seele. Warum setzt eigentlich jeder voraus, dass man in einer Beziehung sein muss? Bin ich nur was wert, wenn ich einen Partner habe? Ich bekomme sowas ständig von meiner Oma zu hören. Ich glaube jeder hat (oder hatte) diese Oma, die ständig fragt „Hast du jetzt einen Freund?“ „Kind, warum bist du denn immer noch alleine?“ Ja Oma, danke das du mich noch einmal darauf hinweist. Als würde ich mich das nicht schon selbst oft genug fragen. Ich weiß, sie meint es nur gut. Aber in meinen schlechten Phasen ist das wie Öl ins Feuer gießen und ich reagiere seeehr empfindlich darauf und bin direkt verletzt.

Ganz tief in mir spüre ich, dass ich eigentlich noch gar nicht so richtig bereit für eine Beziehung bin. Ich ziehe jetzt bald endlich um. In eine wunderschöne Wohnung. Darauf freue ich mich und in Gedanken ist schon alles eingerichtet. Das war für mich ein sehr großer Meilenstein. Irgendwie möchte ich die Zeit in der neuen Wohnung auch nur für mich alleine genießen. Für niemanden „verantwortlich“ sein. In Jogginghose und mit zotteligen Haaren durch die Wohnung rennen. Nicht auf jeden Krümel achten und alles so einrichten, wie ich das möchte und mir vorstelle. Meinen eigenen Rückzugsort haben. Außerdem fange ich im September meine Weiterbildung zur Fachwirtin an. Ein zweiter großer Meilenstein von mir. Sehr lange habe ich schon mit dem Gedanken gespielt, fühle mich aber jetzt momentan (mehr oder weniger, je nach Phase) gefestigt dafür. Ich möchte mich darauf konzentrieren und mich dabei nicht unter Druck setzen lassen, wenn ich mal keine Zeit habe, weil ich lernen muss. Denn ich mache das ganze berufsbegleitend. Ich möchte mir keine Gedanken darüber machen, was mein Partner von mir denkt, wenn ich ungeduscht im kuscheligen Schlafanzug am Tisch sitze, lerne und nebenbei mein Nutella-Brötchen esse.

Ich glaube fest daran, dass ich irgendwann meinen Seelenverwandten finde. Der kommt halt auf ner Schildkröte angeritten und braucht deswegen einfach nur länger! 😉 Gleichzeitig denke ich aber auch, dass man wirklich bereit sein muss für eine Beziehung und genau das Gefühl dann auch ausstrahlt und dem Gegenüber das sozusagen signalisiert. Klar möchte ich jetzt mehr als gerne eine Beziehung haben. Trotzdem spüre ich, dass ich eigentlich noch gar nicht so recht bereit dafür bin, da mir meine Meilensteine momentan einfach wichtiger sind. Meine Schwester hat mir letztens einen doch recht passenden Spruch geschickt:

Irgendwann findet jeder seinen Deckel. Bis dahin gibt es Frischhaltefolie!

 

Ich gebe die Hoffnung einfach nicht auf! Und bis dahin, mache ich mir ein schönes Leben! Glücklich (jedenfalls meistens) und allein 🙂

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4 Kommentare zu „glücklich Single sein?

  1. Mir geht’s oft ganz genauso wie dir! Und rede mir schon ein, dass ich vielleicht kein Topf mit Deckel, sondern eher eine Bratpfanne oder Auflaufform bin 😂😂😂 aber ich bin gerade auch emotional eher nicht bereit für eine Beziehung, ich muss erstmal lernen, alleine glücklich zu sein.
    Liebe Grüße☺

    Gefällt 1 Person

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